Hämorrhoiden – Viele sind betroffen, nur wenige sprechen darüber.

Wir haben alle Hämorrhoiden!

Alle Menschen haben Hämorrhoiden! Eine gewagte These? Nein, denn Hämorrhoiden gehören zur menschlichen Anatomie. Hämorrhoiden haben die wichtige Aufgabe, wie wichtig wird gleich jeder bestätigen, den Enddarm im Zusammenspiel mit dem Schließmuskel nach außen hin abzudichten. Sie schützen uns also vor unkontrollierten Darmentleerungen. Hämorrhoiden sind Schwellkörper und ein wichtiger Bestandteil des Analkanals, der mit dem Rektum die letzten zwei Abschnitte des Dickdarms bildet. Diese arteriovenösen Gefäßpolster, die früher übrigens Goldadern genannt wurden, sind ringförmig unter der Enddarmschleimhaut angelegt.

Gar nicht mal so selten!

Was die meisten Menschen meinen, wenn sie von Hämorrhoiden sprechen, sind Hämorrhoidalleiden – also Beschwerden die eintreten, wenn die Hämorrhoiden vergrößert oder tiefer getreten sind. Erstaunlicherweise gelten Hämorrhoiden – so nennen wir nun der Einfachheit halber die Hämorrhoidalleiden – noch immer als großes Tabuthema. Dabei werden alleine in Deutschland ca. 3,5 Millionen Fälle ärztlich behandelt. Tatsächlich sind deutlich mehr Menschen betroffen, Schätzungen zufolge 50 % der Bevölkerung über 30 in den westlichen Industrienationen, bei Männern sogar um die 70 %! Wieso das vor allem auf uns hier in den westlichen Ländern zutrifft, erklären wir etwas weiter unten.

Hämorrhoiden entwickeln sich nach und nach!

In der Regel treten Hämorrhoiden ab einem Alter von 35 Jahren auf. Die Beschwerden sind vielfältig, jedoch beginnt es meist damit, dass Betroffene zunächst kleinere Mengen an Blut am Toilettenpapier nach dem Stuhlgang oder auch im Stuhl selbst bemerken. Im weiteren Verlauf kann man die Hämorrhoiden von außen im Afterbereich erfühlen. Außerdem leiden Betroffene zumeist unter Nässe, Juckreiz und Ekzemen. Nach und nach treten, wenn keine Behandlung erfolgt, die Hämorrhoiden nach außen, was zu Schmerzen führen kann. Viele Leute haben auch das Gefühl, ihren Darm nicht ganz entleeren zu können.

Generell kann man den Krankheitsverlauf in vier Stadien einteilen:

I Die Hämorrhoiden werden nach und nach größer, sind aber von außen nicht sichtbar.

II Die Hämorrhoiden treten beim Pressen nach draußen, ziehen sich nach dem Toilettengang aber wieder zurück.

III Die Hämorrhoiden können bei Anstrengungen herauskommen und nach  dem Toilettengang ziehen sie sich nicht mehr von alleine zurück. Sie können manuell wieder in den After geschoben werden.

IV Die Hämorrhoiden sind draußen und können nicht mehr einfach zurückgeschoben werden – man spricht von einem Analprolaps.

Vor allem in den letzten beiden Stadien treten Schmerzen auf. Auch wenn die Beschwerden sehr vielfältig und durchaus richtig unangenehm sind, ist den meisten Leuten das alles so peinlich – ganz sicher wegen der prekären Lage am Körper – dass sie erst in den fortgeschrittenen Stadien zum Arzt gehen. Genau dann, wenn die Schmerzen die Scham übertreffen. Dabei haben wir doch schon festgestellt, dass sehr viele Menschen hier bei uns unter Hämorrhoiden leiden! Proktologen sind dafür da, sich um genau solche Leiden (und viele mehr) zu kümmern und helfen gerne weiter.

Ursachen für Hämorrhoiden

Als allererstes müssen wir klar machen: Bei Beschwerden, vor allem Schmerzen, ab zum Arzt! Nur er kann entscheiden, ob es sich wirklich um Hämorrhoiden oder doch um andere vielleicht schwerwiegendere Krankheiten handelt. Er kann die Leiden auch am besten heilen und behandeln.
Allgemein kann man jedoch sagen, dass es immer besser ist, Krankheiten zu vermeiden, bevor sie entstehen. Um die Hämorrhoiden zu vermeiden, müssen wir ihren Ursachen zunächst einmal auf den Grund gehen.

Was löst also Hämorrhoiden aus? Die deutlichste Ursache ist ganz klar Druck auf dem Analbereich, durch den ein Blutrückstau entsteht. Da es sich bei den Hämorrhoiden ja um Blutgefäße handelt, sammelt sich das Blut hier und sie werden größer. Dieser Druck kann durch starkes Pressen auf dem Klo, beispielsweise bei zu hartem Stuhl und Verstopfungen entstehen.

Was das Entstehen der Hämorrhoiden zusätzlich noch fördert:

Die dauerhafte Einnahme von Abführmitteln und die daraus resultierende zu weiche Konsistenz des Stuhls. Dadurch wird das Verschlusssystem des Afters nicht mehr trainiert.

Eine angeborene Bindegewebsschwäche, bei der der Schließmuskel erschlafft.

Chronischer Husten, da hier auch der Druck im Bauchraum ansteigt.

Eine ballaststoffarme, ungesunde Ernährung, die den Stuhlgang erhärtet und somit ein hohes Pressen verursacht.

Wassermangel im Körper. Auch hier ist der Stuhl verhärtet.

Übergewicht. Die Kilos, sprich das überschüssige Fett, drücken auf den Enddarm, was die Blutzirkulation behindert.

In der Schwangerschaft, wenn das Kind auf den Darmbereich drückt und sich zusätzlich noch das Bindegewebe wegen der hormonellen Umstellung lockert.

Die falsche Haltung auf dem Klo.

Auf dem Klo hocken statt sitzen!

Moment mal … wie kann man denn falsch auf dem Klo sitzen? Wir hatten ja bereits versprochen darauf zurückzukommen, wieso wir im Zusammenhang mit den hohen Zahlen der an Hämorrhoiden erkrankten Menschen von den westlichen Industrienationen sprechen. In asiatischen Ländern zum Beispiel, kommen Hämorrhoiden so gut wie gar nicht vor, nur 1% der Bevölkerung leidet darunter. Die große Frage ist also: was machen die Menschen dort denn anders? Schließlich hatten wir schon festgestellt, dass, anatomisch betrachtet, jeder Mensch Hämorrhoiden im Analkanal hat! Unfair!? Ja, bedingt bestimmt, aber das hat durchaus einen Grund und der ist, genau betrachtet, banal! Wir sitzen falsch auf dem Klo. Auch hier werden wieder einige empört ausrufen: Wir haben doch schon immer gesessen, was soll das schon ausmachen? Das stimmt aber so gar nicht! Die modernen Sitzklos gibt es erst seit 150 Jahren. Wenn man sich Kleinkinder in ihren Windeln anschaut, dann sieht man auch nicht, wie sie sich zum Kacka machen hinsetzen. Nein, Kinder gehen in die Hocke. Und genauso machen es die Asiaten, bei denen die Sitztoiletten einfach nicht verbreitet sind. Das alles macht Sinn, wenn man sich wieder die Anatomie des Menschen anschaut.

Unser Enddarm wird von einem besonderen Schließmuskel umfasst, dem Musculus Puborectalis oder Schambein-Mastdarm-Muskel. Generell ist es auch sehr sinnvoll, dass wir diesen Muskel haben. Denn er ist dafür verantwortlich, dass wenn wir sitzen und stehen nicht einfach Kot aus unserem Darmausgang entfleucht. Allerdings blockiert dieser Muskel auch den Kot, wenn wir ganz normal auf der Toilette sitzen und bindet den Darm ab wie ein Knick im Gartenschlauch das Wasser aufhält. Wir fangen also an zu pressen und laden die Hämorrhoiden wie vorhin erklärt ein, zu wachsen und zu gedeihen. Hocken wir allerdings und sitzen so statt in einem 90° Winkel in einem idealen Winkel von 35° ist der Muskel um unseren Darm gelöst und wir können anstandslos zur Toilette und unseren Darm ohne großes Pressen komplett entleeren.

 

Wie komme ich in die Hockposition?

Jetzt müssen wir uns nicht alle ein Plumpsklo zu Hause installieren! Das könnte beim Vermieter eventuell auch nicht so gut ankommen … sondern es gibt eine einfache Lösung, die auch Guilia Enders in ihrem Bestseller „Darm mit Charme“ beschreibt: Einen Hocker vor die Toilette schieben, Füße drauf und schon klappts auch mit den Hämorrhoidalen Nachbarn – denn wir landen automatisch in einer Hockposition. Einen solchen, genau zu diesen Zwecken entwickelten Hocker, der sich auch noch wunderbar der Form der Toilette anpasst und somit nicht unnötig Platz im Bad raubt ist der Hoca der Firma Hey Nature aus Bonn, der hier bestellt werden kann. Er wurde auch schon von einigen Ärzten empfohlen, wie beispielsweise von Dr. Johannes Wimmer:

 

Was können wir noch gegen Hämorrhoiden tun?

Handy und Zeitung weg! Zu lange auf der Toilette zu sitzen fördert die Entstehung der Hämorrhoiden. Also einfach mal auf die essentielle Sache beim Toilettengang konzentrieren, Geschäft schnell erledigen und danach die Zeitung gemütlich auf der Couch lesen oder Sudoku bei einem Kaffee auf dem Balkon spielen.

Po hochkriegen! Und zwar im wahrsten Sinne. Bewegung führt nicht nur dazu, dass der Darm in Schwung kommt und Verstopfungen vermieden werden, sondern wir bleiben auch schlank und gehen dem Übergewicht aus dem weg. Aber Achtung: zu hartes Krafttraining baut ordentlich Druck im Bauchraum auf und kann das Wachstum der Hämorrhoiden sogar fördern.

Wasser und Ballaststoffe her! Immer wird man ans Trinken erinnert, es ist fast schon nervig! Aber auch in Sachen Hämorrhoiden hilft es, viel Wasser zu trinken. Das macht den Stuhl geschmeidig und schon die Schwellkörper im Analkanal. Gleiches gilt für eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung. Die kleinen Helfer finden sich zum Beispiel in Hülsenfrüchten wie Bohnen oder Linsen, in Gemüse und Obst aber auch in Vollkornbrot. Es empfiehlt sich also das Croissant mal gegen das Körnerbrot auszutauschen!

Auf den Alarm im Darm hören! Wenn wir müssen, dann müssen wir. Das passt nicht immer in den Terminplan, aber es macht sehr viel Sinn auf den Körper zu hören, seine Scheu zu überwinden und auch mal im Büro auf die Toilette zu gehen. Wenn wir das ganze rauszögern, kann es gut sein, dass unser Stuhl härter wird und wir somit wieder unnötig pressen müssen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, nur aufs Klo zu gehen, wenn wir wirklich müssen. Sonst beginnt das gleiche Spiel schon wieder: Wir pressen und pressen, bis dann endlich mal was kommt, das noch gar nicht bereit war der Welt Hallo zu sagen.

Sauber bleiben! In Sachen Analhygiene kann so einiges falsch gemacht werden. Am besten den Hintern nach dem Stuhlgang mit weichem Toilettenpapier vorsichtig säubern und im Idealfall mit warmem Wasser abwaschen. Feuchte Toilettentücher aus dem Handel sind oft mit reizenden und Allergien auslösenden Inhaltsstoffen versehen, die sollte man möglichst meiden. Den Po am Ende vorsichtig abtrocknen und alles ist fein sauber.

Offen darüber sprechen! Apotheker, Ärzte und auch Heilpraktiker sind dafür da, sich jegliche gesundheitliche Leiden anzuhören und uns zu beraten. In den meisten Fällen machen sie das sogar gerne und ihre medizinische Fachmeinung ist dem Ausprobieren zwielichtiger Hausmittel vorzuziehen bzw. wissen sie am besten, welche Mittel – von Kräutern, Salben über Öle bis hin zu gewissen Bestandteilen unserer Speiseschränke – wirklich wirken.

 

Der Welt-CED-Tag 2018 – ein Event in der Schweiz

CED – das steht für chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder auch Colitis ulcerosa. Betroffene leiden sehr unter den Krankheiten und es hilft ihnen weiter, über sie mehr zu erfahren und sich mit anderen Menschen mit denselben Beschwerden auszutauschen. Das können sie in Verbänden, in der Schweiz vor allem in der schweizerischen Morbus Crohn/ Colitis ulcerosa Vereinigung (SMCCV), besonders gut. Die Vereinigung ist eine Initiative zu Selbsthilfe für Patienten und hilft ihnen auch, ihre Anliegen und Probleme der Öffentlichkeit zu erklären und somit für mehr Verständnis zu werben.

Das größte Darmmodell Europas ist begehbar …
… und mit vielen Informationen versehen.

Am 19. Mai war es dann soweit und ein großes Event im Landhaus Solothurn zog mehr als 1000 Besucher zum Welt-CED-Tag an. Zu recht, denn hier war nicht nur das größte Darmmodell Europas aufgebaut, sondern viele Infostände und beeindruckende Vorträge rahmten das Tagesprogramm gekonnt ein. Die Vorträge waren nicht nur informativ sondern auch so vielfältig wie die Referenten selbst. So referierte Prof. Dr. med. Stephan Vavricka zum Thema „Darmflora: Bedeutung und mögliche Therapien“ und PD Dr. med. Kaspar Truninger erklärte dem Publikum, das den Saal bis auf den letzten Platz ausfüllte, „Warum haben CED-Betroffene ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs? Welche präventiven Maßnahmen gibt es?“.

Volles Haus bei den Vorträgen am Nachmittag.

Diana Studerus ist Ernährungsberaterin und selbst CED-Betroffene und erklärte anschaulich, wie die Ernährung Leben und Krankheit beeinflusst. Der Wiener Psychologe Dr. Georg Fraberger, der selbst ohne Arme und Beine geboren wurde, motivierte die Anwesenden sehr, als er seinen beeindruckenden Vortrag „Lebensqualität durch Krankheit“ hielt. Auch die Musik kam nicht zu kurz, denn die Musikerin Susanne Augustin, die Gründerin des Vereins „chronisch cool“, untermalte den Anlass musikalisch und rührte gar einige Menschen im Publikum zu Tränen.

Stolz präsentiert Bruno Raffa seine Ehrenmitglieds-Urkunde.

In der vormittäglichen Mitgliederversammlung wurden viele Neuigkeiten präsentiert. Nach 22 Jahren wurde Bruno Raffa aus dem Vorstand der Vereinigung verabschiedet und zum Ehrenmitglied ernannt. Bruno Giardina wurde einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt und als selbiger vorgestellt.

Die vielen Besucher hatten einen schönen, informativen und unterhaltsamen Tag und werden diesen sicherlich gut in Erinnerung behalten. Die Patienten und ihre Angehörigen haben viel gelernt und konnten sich mit anderen Betroffenen offen über ihre Krankheit austauschen – denn wie sie an diesem Tag noch einmal feststellen konnten: sie sind nicht allein!

Darmwohl – Gesunder Darm, gesundes Leben

War der Darm und vor allem seine letzte Funktion der Ausscheidung noch vor wenigen Jahren ein absolutes Tabuthema in der Gesellschaft, so hat sich das Ansehen des so missverstandenen Organs nicht zuletzt durch Giulia Enders Bestseller „Darm mit Charme“ stark verbessert.

Und wenn wir mal ehrlich sind, geht uns doch alle dieses Thema an. Schließlich müssen wir nicht nur alle mal, sondern wir essen alle – manche mehr und manche weniger Gesund, hatten alle schonmal Bauchweh, Durchfall oder schlicht und ergreifend ein schlechtes Gefühl im Magen. Auch in unserer Sprache hatten wir schon „Schiss“, eine Situation hat uns Bauchschmerzen bereitet oder unsere Eingeweide haben sich zusammengezogen. Der Darm sagt uns also, wie es uns geht.

Auch in unserem Alltagsleben wird einiges vom Darm bestimmt: wer kennt sie nicht, die Laktose-, Fruktose-, Gluten-Intoleranten oder gehört gar dazu? Nahrungsunverträglichkeiten oder auch eine bewusstere Ernährung beschäftigen viele Menschen zu Recht. Und unerkannt, oft etwas in den Hintergrund gedrängt, spielt eigentlich der Darm die zentrale Rolle bei diesen und zahlreichen weiteren Fragen.

Der Darm bildet nicht nur durch seine Lage die Mitte unseres Körpers, sondern hat einen sehr unterschätzten Einfluss auf alles was uns wichtig sein könnte: unser Wohlbefinden, unsere Leistungsfähigkeit, unsere Lebensqualität, unsere Psyche und auch – was den meisten Menschen doch ungemein wichtig ist – unsere Lebensdauer! Denn der Darm ist für vier lebenswichtige Funktionen im Körper verantwortlich:

  • Er verdaut alles, was wir unserem Körper über die Nahrung hinzufügen und stellt darüber die Energie für alle Zellen des Körpers bereit.
  • Er reguliert den Wasserhaushalt unseres Körpers.
  • Er kümmert sich darum, dass wir das, was wir von unserer Nahrung nicht verwerten können wieder ausscheiden und befördert auch alles giftige und schädliche für unseren Körper wieder heraus.
  • Er bekämpft alles, was unserem Körper schaden könnte und ist das Zentrum unseres Immunsystems. Im Darmbereich befinden sich knapp 80% aller unserer Abwehrzellen!

Eins ist also ganz klar: wir sollten nett zu unserem Darm sein, ihn gut pflegen und ihn bei seinen wichtigen Aufgaben unterstützen. Geht es unserem Darm nicht gut, dann geht es uns nicht gut. Aus kleineren Beschwerden können bei schlechter Darmpflege mit der Zeit auch chronische Probleme wie zum Beispiel Hämorrhoiden, Reizdarm oder Entzündungen entstehen.

Einigen Beschwerden kann man mit einfachen Mitteln gegenwirken und die möchten wir hier vorstellen.